Ein Drittel der Dialysepatienten leidet unter chronischen Entzündungen. Die momentan eingesetzten Technologien in der Nierenersatztherapie können die natürliche Nierenfunktion nicht vollkommen übernehmen. Eine direkte Folge davon ist eine erhöhte Entzündungsaktivität bei dieser Patientengruppe, die erheblich zur Ausbildung von Herz- und Gefäßerkrankungen beiträgt, das Immunsystem wesentlich schwächt und letztlich die Sterblichkeitsrate bei diesen Patienten erhöht. Daher erforscht der von Gambro koordinierte Projektverbund eine neue Generation hochselektiver Dialysemembranen, die eine effektive Entfernung der entzündungsauslösenden Substanzen im Blut ermöglichen sollen. Gleichzeitig sollen diese Membranen eine sichere Barriere für lebensnotwendige Proteine (Eiweiße) bilden. Das Konsortium untersucht innovative Ansätze, um die Porenstruktur zu kontrollieren. Im Labor und in ersten klinischen Evaluierungen wird die Wirkung dieses neuen Membrantyps bei der Behandlung chronischer Entzündungen untersucht.
„Wir haben exzellente Experten für Material- und Membranforschung, Proteindiagnostik, Nierenerkrankungen und aus der Nierentherapieforschung zu einer Gruppe vereint“, sagt Dr. Bernd Krause, Direktor der Abteilung Forschung und Entwicklung Dialysatoren von Gambro in Hechingen.
Die Projektpartner
Neben Gambro (Förderkennzeichen (FKZ): 13N11796) besteht das Forschungskonsortium aus der NMI Technologietransfer GmbH (FKZ: 13N11797), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (FKZ: 13N11798) und der Charité Universitätsmedizin Berlin (FKZ: 13N11799). Die NMI Technologietransfer GmbH, ein Life-Science-Unternehmen, ist darauf spezialisiert, Proteine mit der so genannten Microarray-Technik zu analysieren. Ihre Erfahrungen in der Therapie von Dialysepatienten bringen die beiden Nierenfachärzte (Nephrologen) Professor Matthias Girndt, Direktor der Abteilung für Innere Medizin des Universitätsklinikums Halle und Professor Ralf Schindler, kommissarischer Leiter der Nephrologie-Abteilung am Virchow-Klinikum der Charité Universitätsmedizin Berlin, ein.
Professor Marcus Glomb, Leiter des Instituts für Lebensmittelchemie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, ergänzt die Forschergruppe mit seinen Fachkenntnissen über glykierte Plasmaproteine, die sich im Körper von Dialysepatienten anreichern.
Krause erklärt: „Dieses spannende Projekt ist wegweisend in der Dialyseforschung und wir sind hoch erfreut, dass uns das BMBF dabei finanziell unterstützt. Chronische Entzündungen sind ein bislang ungelöstes Problem für Nephrologen weltweit, die die Lebensqualität unserer Dialysepatienten beeinträchtigen und die Kosten für die Behandlung der Komplikationen in die Höhe treiben. Unsere große Kompetenz in der Material- und Membrantechnologie bietet eine ideale Basis, diese Herausforderung in Angriff zu nehmen.
„Viele Anläufe, chronische Entzündungen bei Dialysepatienten zu mindern, sind bislang fehlgeschlagen“, sagt Professor Matthias Girndt. „Dieses Projekt bringt nach vielen Jahren erstmals wieder neue Hoffnung für ein äußerst ungünstiges Krankheitsbild, das zu starken Beeinträchtigungen und zu einem frühen Tod vieler Patienten führt. Die gemeinsame Herangehensweise von Universitäten und Industrie ist sehr viel versprechend.“
Ansprechpartner für weitere Informationen
Dr. Bernd Krause
Direktor Forschung und Entwicklung Dialysatoren
Gambro Dialysatoren GmbH, Telefon 07471/17-1218
Barbara Kögel M.A.
Leiterin Kommunikation Gambro Deutschland, Telefon 07471/17-1419
Partner im Projektverbund
Charité Universitätsmedizin Berlin
Zirka 3800 Wissenschaftler und Ärzte der Charité Universitätsmedizin Berlin arbeiten daran, neue Therapien zu entwickeln und schon existierende Behandlungen zu verbessern. Die spannenden Innovationen aus Forschung und Entwicklung sind von großem öffentlichem Interesse.

Universitätsklinikum Halle (Saale)
Die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum sind in Halle (Saale), im Zentrum Deutschlands ansässig. Mit ihrer mehr als 300-jährigen Geschichte zählt sie zu den ältesten medizinischen Fakultäten in Deutschland und Europa. Das erste Universitätskrankenhaus wurde hier gegründet und der erste Doktortitel in Deutschland an eine Frau verliehen. Darüber hinaus zählt die anatomische Sammlung zu einer der größten der Welt. Die erste Nierentransplantation und die ersten Operationen am offenen Herzen in der ehemaligen DDR wurden in Halle durchgeführt.

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Lebensmittelchemie und Umweltchemie
Ein wichtiges Anliegen der Forschung ist die Klärung der wichtigsten chemischen Pfade von nicht enzymatischen Bräunungsreaktionen mit einem Fokus auf den entstandenen Proteinmodifikationen und deren Auswirkung auf Lebensmittel und auf den lebenden Organismus.
Ein weiteres Ziel weist in Richtung Isolierung von bioaktiven Strukturen in Lebensmitteln, indem kombinierte Strategien aus chromatographischen und bioaktiven Tests verwendet werden.
Forschungsthemen: Maillard-Reaktion in Lebensmitteln und in vivo, posttranslational modifizierte Proteine, funktionelle Lebensmittel, physiologisch aktive Substanzen in Lebensmitteln.

NMI Technologietransfer GmbH (Reutlingen)
Die NMI Technologietransfer GmbH ist eine Contract Research and Development Organization, die integrierten Experten-Service für Kunden aus der Pharmaindustrie sowie Bio- und Medizintechnik bietet.